Erdbeben am Laacher See: Wie aktiv ist der Vulkan?

Welch ein Glück, dass es in Deutschland keine Vulkane gibt!
Doch was, wenn das ein Irrtum ist? Wenn am Laacher See wieder ein Vulkan aktiv würde?

In der Presse tauchten Mitte diesen Jahres mehrere Berichte über den Laacher See auf, wie zum Beispiel:

Portal für seismische Ereignisse weltweit

Portal für seismische Ereignisse weltweit

•    Dann wäre Bonn in Gefahr. Über 40 Beben! Droht uns ein Vulkanausbruch am Laacher See? (www.express.de, 17.8.2017)
•    Landesamt: Magmatische Aktivität Ursache für Eifel-Erdbeben (erdbebennews.de, 19.6.2017)
•    Erdbeben am Laacher See (vulkane.net, 16.6.2017)
•    Vulkanaktivität in der Eifel nimmt zu: Droht bald ein Ausbruch? (focus.de, 20.2.2017)

 

Hunderte Vulkane in der Eifel

Tatsächlich ist tief unter der Eifel die Erde wärmer als anderswo. Die Literatur spricht von einer Ausbeulung des oberen Erdmantels nach oben in die Erdkruste. Die Folge waren immer wieder Vulkanausbrüche. In der Eifel gibt es mehrere Hundert Vulkane. Wenn Sie sich interaktiv und multimedial damit auseinander setzen wollen, besuchen Sie doch einfach das Museum Lava-Dome in Mendig. Die Führungen sind sehr anschaulich und unterhaltsam und auch für Kinder geeignet.

Die Wingertsbergwand nahe Mendig in der Eifel mit Ablagerungen des Laacher-See-Vulkans

Wingertsbergwand mit Ablagerungen des Laacher-See-Vulkans

Der letzte Vulkanausbruch in der Eifel geschah vor 10.000 Jahren im Ulmener Maar. Die spektakulärste Eruption war jedoch der Ausbruch des Laacher-See-Vulkans. Vor ca. 12.900 Jahren explodierte er förmlich und schleuderte ungeheure Mengen an vulkanischen Massen bis in rund 30 km Höhe. Die Aschen verteilten sich in einem großen Radius. In der näheren Umgebung des Vulkans gingen Aschen, Bimse und pyroklastische Ablagerungen nieder. Zum Thema Bims finden Sie mehr in meinem Blogartikel: Das Bimsmuseum.

Eine Ahnung wie hoch die Ablagerungen waren, bekommt man an der etwa 2 km vom See entfernten Wingertsbergwand. Die Auswürfe und Ablagerungen des Laacher-See-Vulkans sind hier in einer etwa 40 Meter hohen Steilwand angeschnitten.

Der Laacher See

Der Laacher See

Spektakulärer Ausbruch vor 12.900 Jahren

Was für uns mit 12.900 Jahren wie eine lange Zeit klingt, ist geologisch gesehen gerade einmal ein Wimpernschlag. Als erloschen wollen die Geologen den Eifelvulkanismus nicht bezeichnen. Die Erde ist hier immer noch in Bewegung. Das beweisen die Erdbeben, über die die Medien berichtet haben. Kleine Erdbeben der Stufe 2, die wir als Menschen nicht spüren.

Die Medienberichte über die Eifel sprachen aber auch von vermehrten Gasblasen im Laacher See. Das wollte ich sehen. Also machte ich mich auf zu den Mofetten am Laacher See.

Gasblasen im Laacher See

Aufsteigende Gasblasen im Laacher See

Aufsteigende Gasblasen im Laacher See

Leider kann man mit dem Auto nicht direkt bis zu den blubbernden Stellen am Ostufer des Sees fahren. Man muss entweder zu Fuß von Norden her um den See herum oder von Süden her zum See wandern. Bei schönem Wetter ist das ein sehr schöner Spaziergang. Je nachdem wie schnell Sie gehen, brauchen Sie bis zu den Mofetten etwa 30 bis 60 Minuten. Und außerdem stabile Schuhe oder Gummistiefel. Wenn Sie die Gasblasen aus nächster Nähe betrachten wollen, müssen Sie die Böschung hinunter.

Mein Tipp: Unternehmen Sie eine solche Aktion nicht alleine. Wenn Sie an der Böschung stolpern oder abrutschen, wird man Sie hier nicht so schnell finden. Kohlendioxid in größeren Mengen ist zudem alles andere als gesund. Es reichert sich vor allem in Bodennähe an, weil es schwerer ist als Luft. Und hier blubbert es tatsächlich. Anwohner und Fachleute wissen, dass im See und auch an mehreren Stellen um den See herum Kohlendioxid aus dem Untergrund aufsteigt. Mal mehr, mal weniger.

Vulkanausbruch im Lavadome-Museum

Das Vulkanmuseum Lavadome in Mendig

Vulkanmuseum Lavadome in Mendig

Vulkane sind eine spannende Sache. Sie demonstrieren eindrucksvoll, dass die Erde lebt. Richtige Vulkanausbrüche muss ich aber nicht unbedingt live erleben. Ich schaue sie mir lieber aus sicherer Entfernung an. Das geht sehr gut und eindrucksvoll im Lava-Dome-Museum in Mendig.

Im Kinoraum des Museums erleben Sie die Simulation eines angekündigten Ausbruchs. Eine Sprecherin im Fernsehstudio verkündet die neuesten Meldungen zu einem Vulkanausbruch, als im fingierten Studio die Aufforderung kommt, wegen eines heftigen Ausbruchs sei das Studio sofort zu verlassen. Sofort! Und dann ist nur noch Rauschen auf dem Bildschirm.

Noch spektakulärer ist der Film über den Ausbruch des Laacher-See-Vulkans. In einem aufwendig gemachten 3D-Film spüren Sie wie die Erde bebt, erleben die Explosion, sehen die Glutlawinen auf sich zukommen und stehen anschließend im Asche- und Bimshagel. Und wenn Sie ganz vorne im Zuschauerraum sitzen, läuft Ihnen die virtuelle Lava sogar über die Füße.

Die Lavakeller: Abstieg in die Unterwelt

Abstieg in die Lavakeller

Abstieg in die Lavakeller

Sie haben noch immer nicht genug Vulkan-Feeling? Dann gehen Sie 100 Meter weiter und steigen Sie in die Unterwelt. Nehmen Sie sich eine Jacke mit, dort unten hat es nur 6 – 9 Grad. Die Besichtigung der Basaltkeller ist nur mit einer Führung möglich. Das macht auch Sinn, sonst gehen Sie dort unten verloren. Sie erhalten einen Schutzhelm und steigen die Stufen hinab in die Tiefe. Unten angekommen, stehen Sie in einer schwach beleuchteten Höhlenwelt. Drei Quadratkilometer Höhlen und Lavakeller erstrecken sich unter der Stadt Mendig.

Sie stehen hier in einem 200.000 Jahre alten Basaltstrom. Beziehungsweise in den verbliebenen Resten des Lavastroms. Die Römer hatten den Basalt an der Oberfläche abgebaut, ab dem Mittelalter bauten die Eifeler „Leyer“ den Basalt auch richtig bergmännisch unterirdisch in Stollen und Schächten ab. Sie nutzten das harte Gestein vor allem für Bausteine und für ihre runden Getreidemühlen.Im Laufe der Jahrhunderte höhlten sie den Berg immer weiter aus.

Die tiefsten Bierkeller der Welt

Im Lavakeller unter der Stadt Mendig

Im Lavakeller unter der Stadt Mendig

Berühmt geworden sind die Lavakeller als die tiefsten Bierkeller der Welt. Im 19. Jahrhundert entdeckten Brauereien eines Tages diese unterirdischen Höhlen. In einer Zeit, in der es noch keine Kühlschränke gab, waren die Stollen und Hohlräume mit einer gleichbleibend niedrigen Temperatur von 6-9 Grad ein echter Glücksfall und ideal zur Lagerung von Bier. Brauereien aus ganz Deutschland lagerten hier ihre Biere. Doch eines Tages war damit Schluss. Die Erfindung des Kühlschranks machte diese Einkommensquelle zunichte.

Mehr zum Lavakeller finden Sie in meinem Blogartikel: Faszination Eifel: Der Lockruf des Basalts.

Übrigens: Das Café neben dem Eingang zum Lavakeller hat sensationelle Kuchen. Aber bringen Sie sich rechtzeitig vor den Wespen in Sicherheit, die auch eine Schwäche für süße Kuchen haben. Wer es lieber deftiger mag, geht einige Meter in die andere Richtung, in den Biergarten der Vulkan-Bräu-Brauerei.

Und hier ist mein Videofilm über meinen Besuch im Vulkanmuseum und am Laacher See:

Bitte auf das Bild klicken zum Abspielen! Viel Spaß!